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HIGASHIONNAS NAHA TE
Den Grundstein des Systems legte HIGASHIONNA KANRYÔ, der in China
mehrere Stile des Quanfa studierte. Als er nach Okinawa zurückkehrte,
lehrte er ein System, das man als Synthese mehrerer chinesischen Stile
betrachten kann. Der gesamte Energieaspekt der heutigen Goju-Stile wurde
bereits zu Higashionnas Zeit gegründet.
Als Higashionna im Jahre 1887 aus China zurückkehrte, begann er seine
Lehre in Naha (Tondo Naha shi) zu verbreiten. Sein Übungsstil wies
starke Charakteristiken der südlichen chinesischen Schulen Chinas
auf. Er enthielt das gleiche technische Konzept und denselben Aspekt der
Arbeit mit der "inneren Energie" (Qi), wie z.B. das Tai Chi
Chuan. Higashionna nannte seinen Stil einfach Naha-te, wie das vor ihm
bereits auch ASON und WAICHINZAN taten.
Meister Higashionna hatte fünf wichtige Schüler:
- MIYAGI
- KYÔDA
- GUSUKUMA
- SHIROMA
- MOTODA
KYÔDA JUHATSU war der Uchi deshi des Stils, während Miyagi
Chôjun der Soto deshi war. Kyôda blieb der alten Linie des
Naha te treu und begründete darauf sein Toon ryû, während
Miyagi zahlreiche Studien unternahm und neue Aspekte (vor allem Atmung,
Ibuki) in den Stil brachte.
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MIYAGIS STUDIEN
Das alte Naha te erfuhr eine neue Blüte unter MIYAGI CHÔJUN
(1888-1953). Dieser reiste in seiner Jugend nach China und studierte dort
die Praktiken des Zen und den Quanfa-Stil Baihequan. Als er nach Okinawa
zurückkehrte (1920), schuf er ein neues System. Er erarbeitete die
beiden Formen der Geksai kata, die - viel einfacher und kürzer als
die klassischen Formen - von da an dazu verwendet wurden, Anfänger
in den Stil einzuführen. Man kann hier den Einfluss Itosus sehen,
der vorher im Shôrin ryû die Pinan kata gründete. (Miyagi
hatte Meister ITOSU um Unterricht im Shôrin gebeten, dieser sagte
ihm jedoch, dass es nichts mehr zu lernen gäbe, da er die Meisterschaft
erreicht habe).
Gleichzeitig erarbeitete Meister Miyagi die heutige Form der Tenshô,
sein eigentliches Meisterwerk. Die Tenshô ist eine überarbeitete
Form des chinesischen Dao Rokishu aus dem Shaolinquan.
In den darauffolgenden Jahren bereiste Miyagi die Länder des Pazifiks,
um seinen Stil zu verbreiten. 1929, sieben Jahre nach FUNAKOSHI, gab er
in Japan eine grosse Demonstration seiner Kunst. Zu jener Zeit hatte er
auf Okinawa schon eine ganze Reihe bedeutender Schüler ausgebildet.
(YAGI, HIGA, MIYAZATO u.a.). Bis 1935 blieb er in Japan, wo er den heute
bekannten japanischen Meister YAMAGUCHI GÔGEN (Neko - die Katze)
zu seinem Nachfolger in Japan ernannte.
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DIE GRÜNDUNG DES GÔJÛ
RYÛ
Der Name Gôjû Ryû wurde zum ersten Mal im Jahre 1929
verwendet (MIYAGI). Als im selben Jahr in Japan eine grosse Demonstration
aller japanischen Kampfkünste stattfand, schickte der Meister seinen
Schüler SHINZATO JIN'AN, um ihn zu vertreten. Alle Anwesenden waren
Vertreter berühmter japanischer Kampfkunsschulen. Als ein Reporter
Meister Shinzato fragte, welchen Stil er vertrete, wusste dieser zunächst
keine Antwort. Auf Okinawa war es nicht üblich, dass die jeweilige
Kunst des Meisters einen eigenen Namen hatte. Alles wurde in den Überbegriffen
Shôrin ryû (Shuri te und Tomari te) und Shôrei ryû
(Naha te) zusammengefasst. Shinzato überlegte schnell und sagte,
sein Stil trage den Namen Hankô ryû (Hankô bedeutet
"halb schwierig").
Auf Okinawa erzählte er Meister Miyagi von dem Vorfall, und dieser,
auch ein Meister der Poesie und Dichtkunst, zitierte daraufhin einen Satz
aus dem Bubishi: "Alles im Universum atmet hart und weich."
Aus diesem Zitat stammt der Name Gôjû-ryû (Gô/Jû
bedeutet hart/weich).
1935 kehrte Meister Miyagi endgültig nach Okinawa zurück und
unterrichtete dort bis zum Ende seines Lebens. Im Jahre 1952 wurde die
Vereinigung für das okinawanische Gôjû ryû gegründet.
Ein Jahr später, am 8. Oktober 1953, starb der Meister. Er hinterliess
sowohl auf Okinawa als auch in Japan mehrere bedeutende Schüler.
Doch sofort nach dem Tod des Meisters begann die Auflösung des Gôjû
ryû. Es war der Beginn eines ewigen Streites zwischen den Schulen,
der sich bis in die heutige Zeit fortsetzt.
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MIYAGIS GÔJÛ- KONZEPT
Erst im Jahre 1940 vervollständigte Miyagi das System seiner Lehre
und schloss damit die Entwicklung des Gôjû ryû als eigenständigen
Stils vollständig ab. Er führte noch die beiden von ihm 1914
gegründeten Kata Gekkisai daiichi und Gekkisai daini in das System
ein, um es als "hart/weiche" Schule zu charakterisieren. Als
Extreme der hart/weichen Richtung bezeichnete er in seinem Stil die Tenshô
(weich) und die Sanchin (hart). In diesen Jahren befand sich Miyagi abwechselnd
in Japan und Okinawa. Er wurde bereits zu jener Zeit als einer der fähigsten
Meister des Karate verehrt. Er unterrichtete sowohl in Japan als auch
in Okinawa, wodurch die beiden wichtigsten Schulen des Gôjû
ryû entstanden.
1941 brach der zweite Weltkrieg aus, in dem Miyagi seinen dritten Sohn,
JUN, und seinen ältesten Schüler, SHINZATO JINAN, verlor. Seit
dieser Zeit erteilte er keinen Unterricht mehr und zog sich aus der Öffentlichkeit
zurück. Nach der Niederlage Japans im zweiten Weltkrieg siedelte
er sich in der Stadt Ishikawa an. Lange Zeit blieb er unerkannt, denn
man vermutete ihn in Japan. Wegen seiner Demütigen Art bekam er den
Ruf eines verweichlichten Stadtmenschen, und man teilte ihn nur für
niedrige Arbeiten ein. Als er schliesslich doch erkannt wurde, strömten
von überall Meister der Kampfkünste herbei und baten Miyagi
um Unterricht im Karate.
1946 nahm er den Unterricht in Okinawa wieder auf. Er wurde Direktor
der "Okinawa Civil Association of Physical Education" und unterrichtete
an den Polizeischulen Okinawas. Im gleichen Jahr gründete er ein
Dôjô neben seinem Haus in Tsuboya chô, wo noch heute
sein vierter Sohn lebt. Durch Miyagis Unterricht in Japan und in Okinawa
entstanden zwei Hauptlinien des Gôjû ryû, die sich nach
seinem Tod eigenständig weiterentwickelten:
- Okinawa Gôjû ryû
- Nippen Gôjû ryû
Das Okinawa Gôjû ryû (heute vertreten durch YAGI, MIYAZATO
und HIGA) hält sich streng an die Richtlinien, die Meister Miyagi
für die Übung des Karate aufgestellt hat. Der Wettkampf ist
aus diesem System ausgeschlossen, und damit befindet es sich in einem
krassen Gegensatz zu den Tendenzen, die in Japan entwickelt wurden. Die
Hauptpunkte des traditionellen Gôjû ryû, wie Miyagi
es gelehrt hat, sind folgende:
- Te chikate mani
Diese Übungsmethode bezieht sich auf die Perfektionierung der Kata.
Darin unterschied Miyagi die Übung der klassischen Kata (Koryû)
und dem Einführungsmethoden (Kihon) in die Kata, wofür er
die Fukyu Kata gründete, die heute in zahlreichen Varianten auch
in anderen Stilen geübt werden. Sie entsprechen den Taikyoku Kata
des Shôtôkan.
- Bunkai
Sowohl Koryû als auch Kihon hatten eigene Formen des Kumite. Damit
war die Anwendung der klassischen Kata gemeint sowie die Übung
einzelner Kombinationen und Techniken in Form von Yakusoku kumite.
- Te tochimani
Dies war eine Fortgeschrittene Form des Yakusoku kumite mit realistischen
Endtechniken (Kiso kumite), die zum Studium des wirklichen Kampfes verwendet
wurden.
- Ikukumi
Die Übung des wirklichen Kampfes. Der höher Graduierte darf
sich nur verteidigen, ohne zu kontern, während der Partner wirklich
und mit voller Kraft zu treffen versucht.
Nach NAKAIMA KENKO (Ryûei ryû), der Miyagi gut kannte, konnte
keiner seiner Schüler die Perfektion der Kata erreichen, die der
Meister zu demonstrieren in der Lage war. Er machte in der Technik immer
wieder gebrauch von seinen starken Hüften, und Nakaima glaubt auch,
dass Miyagi die Form der harten Atmung (Ibuki) und der dynamischen Spannung
in den Stil brachte, die es in den chinesischen Ursprungsstilen nicht
gibt. Die von Miyagi festgelegten zwölf Kata des Gôjû
ryû werden oft in drei Kategorien geteilt:
- Kihon kata (Grundschul- kata)
In der in allen Richtungen die Sanchin als die wichtigste gilt.
- Kaishu kata (Offene- Hand kata)
- Haishu kate (Geschlossene - Hand kata)
Die Tensho wird in einigen Stilen mit geschlossener, in anderen mit offener
Hand geübt. Nach einigen Meistern werden die Begriffe Kaishu und
Haisha auch als öffnende Kata, im Sinne von Einführen, und als
schliessende Kata, im Sinne von abschliessende höchste Form, ausgelegt.
In diesem Sinn sind alle Kata zuerst Kaishu kata und sollen zu Haishu
kata gebracht werden. (Theorie nach ÔTSUKA TADAIKO in seiner Veröffentlichung
1977).
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GÔJÛ RYÛ AUF OKINAWA
Das Okinawanische Gôjû ryû brachte aus Miyagis Nachlass
viele bedeutende Meister hervor. Hier finden wir auch die innere Linie
(Uchi deshi) des Stils, die durch YAGI MEITOKU vertreten wird. Ein weiterer
Schüler war Higa Seiko. Zahlreiche Namen, die wir heute kennen, sind
Namen der Schüler von Sensei Higa. So hat er TOGUCHI SEIKICHI, welcher
das Shôreikan Dôjô in Tôkyô leitet, und
TAMANO TOSHIO unterrichtet.
Die grossen Meister des okinawanischen Kobundô, MATAYOSHI SHINPÔ
und HIGAONNA MORIO, studierten das Karate hauptsächlich unter Higa
Seiko. Einen anderen starken Einfluss auf das okinawanische Gôjû
ryû nahm Meister MIYAZATO EICHI (1922 - 1999), ein weiterer Schüler
Miyagis. Meister Miyazato ist auf Okinawa sehr bekannt und unterrichtet
im Yundôkan Dôjô, einem der grössten okinawanischen
Dôjô.
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